living on video

oder, auf gut deutsch:

Die Filmnacht der Klasse 9b

Ja, die „Effi Briest“ von Theodor Fontane lesen wir alle früher oder später einmal. Und wenn wir sie im Deutschunterricht lesen, erfahren wir, dass der Stoff auch verfilmt wurde, nämlich von Rainer Werner Fassbinder und wir erfahren weiter, dass es noch ähnliche Frauenfiguren in Romanen gibt und dass es auch davon Filme gibt und dass es überhaupt das Beste ist, sich diese Sachen einmal anzuschauen.

 

 

 

Und genau das haben wir getan: Am Montag, den 13. Februar versammelte sich um 18.00 die gesamte Frauschaft der 9b mit ihrer Deutschlehrerin im Foyer der Schule, alle bepackt mit Schlafsack, Isomatte, Popcorn & Co.

 

 

 

Der erste Streich war „Effi Briest“: Die Fassbinder-Verfilmung lag uns schwer im Magen und wir waren ganz froh darüber, dass unsere Lehrerin ab und zu auf die FastForward-Taste drückte, um den Film ein wenig abzukürzen.

 

Ganz anders die Verfilmung von „Anna Karenina“ mit Sophie Marceau! Hier brachen wir in Proteststürme aus, als die Lehrerin einige Szenen übersprang. Denn der zugrunde liegende Roman von Lew Tolstoi ist zwar wie „Effi Briest“ ein Werk des Realismus, diese Filmversion schlägt aber schwer ins Romantische, war also genau das Richtige für uns und wir hatten endlich Gelegenheit, die mitgebrachten Taschentücher vollzuheulen (Das ist jetzt übertrieben!).

Ob romantisch oder realistisch – die Heldinnen unserer ersten beiden Filme scheitern kläglich an ihrer strengen bürgerlichen Umgebung und an der Unmöglichkeit, über ihr Leben selbst zu bestimmen.

 

Bei solch tristen Aussichten wollte es unsere Lehrerin nicht bewenden lassen und so stellte sie uns noch eine Frauenfigur des 20. Jahrhunderts vor: Die etwas übergewichtige und nicht unbedingt übertrieben schöne Muriel in „Muriels Hochzeit“. Die junge Frau hat schlechte Startchancen: Als Tochter eines karriereversessenen Provinzpolitikers und einer völlig depressiven Mutter wächst sie zusammen mit ihren drei Geschwistern auf, die ihre Zeit vorwiegend vor dem Fernseher verbringen.  Der größte Traum der beruflich erfolglosen Muriel ist es, zu heiraten und so endlich etwas darzustellen in ihrem Heimatort. Erst durch die Freundschaft mit Ronda lernt sie, dass sie ein wertvoller Mensch ist – auch ohne Ehemann und Statussymbole.

 

 

 

Naja, „Muriels Hochzeit“ fanden wir zwar nicht schlecht, aber unsere Favoritin „Anna Karenina“ konnte sie nicht schlagen! Wie dem auch sei – es war jetzt halb zwölf und höchste Zeit, in die Schlafsäcke zu kriechen.

 

 

 

Das Kriechen zog sich eine Weile hin und bis wir so richtig eingeschlafen waren, mussten wir uns schon wieder aus der Polyesterwolle schälen und – nach gründlichem Aufräumen – in unser Klassenzimmer hinunter schweben („schleichen“ wollte ich jetzt nicht sagen).

Dort standen schon die Frühstückssachen bereit und weil wir schließlich die ganze Nacht Deutsch gemacht hatten, ließen wir den Unterricht ganz sachte mit Semmeln und Tee und einer Unterhaltung über unsere nächtens erworbenen Eindrücke anlaufen.

 

Abschließend möchten wir uns noch bedanken bei den Schwestern, die unsere nächtliche Anwesenheit im Schulgebäude so freundlich akzeptierten und uns so hilfsbereit unterstützten!!!