Der Bischof und die Nöte junger Mädchen

Gerhard Ludwig stellt im Niedermünster den Jugendkatechismus vor – und diskutierte ihn

Von Christian Eckl (Wochenblatt)

Die Frage war brisant: Wie hat der Vatikan auf die beiden Druckfehler reagiert? „Es herrschte blankes Entsetzen“, räumte Bernhard Meuser vom Pattloch-Verlag ein. Dabei ist das Buch, das Meuser zusammen mit Bischof Gerhard Ludwig am Mittwoch in der Realschule Niedermünster vorstellte, für die Zukunft der Katholischen Kirche ein Schlüsselwerk: Der Patloch-Verlag hat im Auftrag von Papst Benedikt den „Youcat“, den Jugendkatechismus heraus gegeben. In der Übersetzung ins Italienische ist ein Fehler passiert: Statt dem Wort „Empfängnisregelung“ stand dort „Empfängnisverhütung“. Diese, so lautete die erste italienische Version des Youcat, erlaube der Vatikan. In der französischen Version fehlte das Wort „nicht“: Da stand dann, alle Religionen sind gleich. Und das ist eben nicht Lehre der katholischen Kirche.

„Die französischen Bücher wurden alle eingestampft“, erzählte Meuser, sollte man welche vergessen haben, dürften die wohl jetzt einen ziemlichen Sammlerwert haben.

Sie sind zwischen 14 und 16, junge Mädchen, die viele Fragen haben. Und weil sie in einer kirchlichen Realschule für Mädchen ihren Abschluss machen, haben sie auch Fragen an die Kirche – und die bemüht sich auch um sie. Umso erstaunlicher waren die differenzierten Aussagen der zwölf Realschülerinnen, die am Mittwoch gefragt wurden, wie sie das Buch denn nun fanden.

Eine Frage führte zu Diskussionen: „Habt Ihr denn alles richtig gefunden, was in dem Buch steht?“ „Nein. Zum Beispiel das Kapitel über Beziehungen vor der Ehe entspricht nicht der Realität“, sagte ein Mädchen, eine andere pflichtete ihr bei: „Ich finde nicht alles richtig, was die Kirche sagt, vor allem wird das nur mit sehr kurzen Absätzen erläutert. Da müsste doch drinnenstehen, warum die Kirche in Afrika keine Kondome erlaubt zur Bekämpfung von Aids“, sagte die Schülerin.

Eine andere aber pflichtete ihr nicht bei: „Ich finde, wenn man Christ ist, dann muss man sich auch an das halten, was die Kirche lehrt“.

Verleger Meuser begrüßte die Diskussion bei Jugendlichen: „Wir haben es geschafft, dass im Bunga-Bunga-Land Italien über Moral diskutiert wird“, sagte er auch im Hinblick auf den Druckfehler in der italienischen Version.

 

Bischof Gerhard Ludwig war von dem Termin mit den Jugendlichen sichtlich ergriffen. Ihm machte es Spaß, sich mit den jungen Mädchen zu unterhalten, die in einer Phase sind, in der sich letztlich entscheidet, ob ein Erwachsener später Kirche und Glauben verbunden bleibt oder nicht. „Wenn man ein, zwei Bier in geselliger Runde trinkt, ist das gut und schön. Aber jeder weiß, dass er auch Maß halten muss. Wenn jemand sich ehrlich Geld erarbeitet, ist das gut so, aber man darf sich den Besitz anderer nicht einfach nehmen. Überall gibt es Regeln, die man einhalten muss“, sagte der Bischof, die Bilder verwendete er auch, „damit sich nicht immer alles um Sexualität dreht“. Und da hat der Kirchenmann eine Krux der Kirche durchaus auf den Punkt gebracht: Stets müssen sich diese grauhaarigen, altehrwürdigen Herren mit Fragen der Sexualität befassen, die ja nun eher die Jugend bewegen. Spielraum lässt der Bischof aber nicht: „Das sind nicht irgendwie zu diskutierende Tatsachen, sondern das ist göttliche Wahrheit, was die Kirche lehrt“.

Die Diskussion mit den Schülerinnen der Niedermünster-Realschule belegte aber auch: Gerade junge Menschen können durchaus einen festen Glauben haben, gleichzeitig aber auch zweifeln – und schließlich ihr eigenes Leben auf Werten aufbauen, die durchaus christlich sind. Das halten übrigens auch die Italiener so: Nicht alle machen Bunga Bunga. Viele leben ein aufrichtiges, moralisch verantwortungsvolles Leben – ohne gleichzeitig „päpstlicher als der Papst“ zu sein.


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