MARIA THERESIA VON JESU GERHARDINGER

Leben und Wirken

An einem Novembermorgen 1835 gelobt Karolina Gerhardinger von nun an als Ordensfrau Maria Theresia von Jesu "für den Unterricht und die Erziehung der weiblichen Jugend" zu leben. An einem Novembermorgen 1985 - genau 150 Jahre später - wird sie in Rom feierlich seliggesprochen. Ihre Verdienste um die Pädagogik und das bayerische Schulwesen finden 1998 mit der Aufstellung ihrer Büste in der Walhalla auch staatliche Anerkennung.

 

Wer ist diese Frau?

Karolina Gerhardinger wird am 20. Juni 1797 in Regensburg-Stadtamhof geboren. Der Schiffsmeister Willibald Gerhardinger und seine Frau Franziska geben ihrer Tochter nicht nur eine gesunde Natur und hohe intellektuelle Begabungen mit, sondern auch Einfühlungsvermögen und Tatkraft, eine klare und standfeste Haltung und eine tiefe Verbundenheit mit Gott.
Karolinas Jugend fällt in eine Zeit, die den bis dahin gültigen Glaubens- und Wertvorstellungen feindlich gegenübersteht; Schließung der kirchlichen Einrichtungen, Zerfall des Familienlebens, Verwahrlosung der Kinder und Verarmung des einfachen Volkes sind die Folgen. Mit Sorge beobachtet der Dompfarrer und spätere Bischof von Regensburg Georg Michael Wittmann diese Entwicklung. Weil er sich von einer christlichen Bildungsarbeit notwendige Hilfe erwartet, lenkt er nach Aufhebung von Schule und Kloster der Notre-Dame-Frauen in Stadtamhof 1809 den Lebensweg seiner Schülerin Karolina in diese Richtung. Die erst Zwölfjährige wird zur Lehrerin ausgebildet und prägt in den folgenden 20 Jahren ihre Heimatschule zu einer vorbildlichen Unterrichts- und Erziehungsstätte für arme Kinder und arbeitslose Mädchen. Das Geheimnis von Karolinas Tüchtigkeit und ihrem Charisma liegt in ihrem Bestreben, "nach der Lehre Jesu eine Magd ihrer Kinder zu sein". Am 24. Oktober 1833 beginnt sie mit zwei Gefährtinnen in Neunburg vorm Wald ein klösterliches Leben und begründet damit die Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau.

Von ihrem Leben und Wirken angezogen, schließen sich in kürzester Zeit viele junge Frauen der Kongregation der A. Schulschwestern v.U.L.Fr. an. Diese Erfahrung und ihr Weitblick leiten Mutter Theresia, wie Karolina nun genannt wird, als sie 1843 das Mutterhaus nach München verlegt, damit dort eine bestmögliche geistliche und berufliche Ausbildung ihrer Schwestern erfolgen kann. Von hier aus gehen diese in abgelegene Dörfer und arme Städte, in die sie gerufen werden, und übernehmen Kindergärten, Schulen, Heime und Fürsorgeeinrichtungen. Als Ziel ihres Dienstes streben sie die Erziehung der Mädchen zu selbstbewussten und verantwortungsbewussten, christlichen Frauen an, um so eine positive Veränderung der Gesellschaft zu bewirken.
Bereits 14 Jahre nach Entstehung der Gemeinschaft begleitet Mutter Theresia fünf Schwestern nach Amerika, wo in den Vereinigten Staaten eine ebenso segensreiche Tätigkeit und rasche Ausbreitung erfolgt wie in vielen Ländern des europäischen Kontinents.
Am 9. Mai 1879 gibt sie in München ihr bewegtes und erfülltes Leben ihrem Schöpfer zurück, während 2500 Schwestern ihr geistliches Erbe in die Zukunft tragen - zur Ehre Gottes und zum Wohl der ihnen anvertrauten Menschen.